Über die "Wittenberger Judensau, 1596"

  • Einblattdruck mit "Wittenberger Judensau

    Zitat

    Die Tiermetapher „Judensau“ bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. Es sollte Juden verhöhnen, ausgrenzen und demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein (hebräisch tame) gilt und einem religiösen Nahrungstabu unterliegt. Spottbilder mit dem Judensaumotiv sind seit dem frühen 13. Jahrhundert belegt und auf Steinreliefs und Skulpturen an etwa 30 Kirchen und anderen Gebäuden vor allem in Deutschland bis heute zu sehen. (aus Wikipedia)



    Auch, wenn das einige ja wohl als Kunst verstehen, ich kann nicht begreifen, wieso man dieses Sandstein-Relief in Wittenberg nicht längst entfernt hat. Gerade auch von einer Kirchenmauer! Zutreffender wie hier durch Konrad Straub kann dieses Relief wohl kaum beschrieben werden:



    Was meint Ihr?

  • Zitat

    Was meint Ihr?


    Tja, solche Darstellungen fallen für mich nicht mehr in den Bereich der Kunst, als hohe kulturelle Leistung eines oder mehrerer Menschen. Motive, die gerade aufgrund ihres historischen Kontextes ausschließlich dazu dienen, eine bestimmte Gruppe von Menschen zu diskreditieren, könnte ich am ehesten als dunkle Kunst ("dunkel" im Sinne von negativ, gefährlich, aus einem zerrüttenden Geist kommend, etc.) bezeichnen, welche aufgrund ihres Gefährdungspotentials rundweg abzulehnen sind.


    In einem Wort gesagt: Schwachfug


    Solche Darstellungen waren zu jeder Zeit "verzichtbar" - auch im Mittelalter, wo sie verwendet wurden, um irgendwelche pseudoreligiösen Überheblichkeiten der sog. Christenheit gegenüber dem Judentum zu dokumentieren, auch wenn der Zeitgeist im Allgemeinen ein anderer (als heute*) gewesen sein mag.



    * Hierbei ist zu erwähnen, dass der latente Antisemitismus vieler Menschen aus unterschiedlichen Völkern auch heute nahezu ungebrochen ist. DAS ist wirklich besorgniserregend wie gleichermaßen beschämend.


    Andererseits bin ich der Meinung, dass die "Staatskirchen" ohnehin seit jeher ein Instrument des Teufels zur Unterdrückung und Verspottung des Menschen sind; von daher sind solche "Darstellungen" wie die "Judensau" an Kirchgemäuern durchaus zu erwarten.


    Wahrscheinlich werden solche Darstellungen in naher Zukunft entfernt werden: Entweder bei Umbauarbeiten oder dass sie nicht mehr saniert werden. Und bei zunehmender gesellschaftlicher Aversion gegen die "Staatskirchen" könnten auch die restlichen Gebäude bald völlig von der Bildfläche verschwinden. Es wäre kein Verlust.


    Spätestens beim Eingriff Gottes ist ihre Zeit dann allerdings endgültig vorbei.

  • Martin Luther wäre glücklich gewesen darüber, denn er hat den Judenhass damals aktiv gechürt. Obiges ist nur ein Zeichen des damaligen "christlichen" Denkens. Man sollte solche Sachen entfernen, gleichfalls aber auch Luther nicht mehr so hoch aufs Podest erheben, bei dem Schaden, den er gegen die Juden angerichtet hat. Wenn eine Sache korrigiert wird, sollte man auch die andere richtig stellen.

  • Der Antisemitismus verschwindet ja nicht, indem man seine uralten Symbole beseitigt.


    Man sollte auch nicht verschweigen, dass das Christentum während der meisten Phasen der Geschichte eben streng antisemitisch war.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat von Grubendol

    Der Antisemitismus verschwindet ja nicht, indem man seine uralten Symbole beseitigt.


    Das stimmt!


    Zitat von Grubendol

    Man sollte auch nicht verschweigen, dass das Christentum während der meisten Phasen der Geschichte eben streng antisemitisch war.

    Und deswegen kann es auch nicht mit dem Christentum, welches durch Jesus Christus begründet wurde, identisch sein. Jesus selbst war Jude und hatte den Auftrag den verlorenen Kindern des Hauses Israels das Königreich und die Erfüllung zahlreicher Prophezeiungen über den Messias zu verkünden, damit sie gerettet und Gottes Bundesvolk bleiben könnten.


    Das Pseudo-Christentum, welches im 4. Jhd. u.Z. zur Staatsreligion erhoben wurde und seitdem mit furchtbarer Gewalt, Lug und Trug gegen die Menschen wütet - sowohl die eigenen Anhänger, als auch gegen die wahren Nachfolger Jesu, Andersgläubige und Konfessionslose, war unter anderem stets antisemitisch. Zeitweise offen, beizeiten verdeckt, doch es war immer klar erkennbar.

  • Martin Luther wäre glücklich gewesen darüber, denn er hat den Judenhass damals aktiv gechürt. Obiges ist nur ein Zeichen des damaligen "christlichen" Denkens. Man sollte solche Sachen entfernen, gleichfalls aber auch Luther nicht mehr so hoch aufs Podest erheben, bei dem Schaden, den er gegen die Juden angerichtet hat. Wenn eine Sache korrigiert wird, sollte man auch die andere richtig stellen.


    Das sehe ich auch so...


    Über den zusätzlichen freien Tag anlässlich der Feier zu 500 Jahren Reformation haben sich zwar viele - wenn nicht alle - Berufstätigen freuen können. Aber natürlich ist Luther durch die Reformation kein Heiliger geworden - kein Vorbild, wenn es darum geht, den christlichen Glauben zu leben.


    Natürlich ist er mit seiner Kritik am Ablasshandel im Recht. Das überwiegt allerdings in keiner Weise seine eigenen "theologischen Baustellen", von denen sein Antisemitismus nur eine unter vielen ist.

  • Luther ist schon deswegen cool, weil er die Bibel übersetzt hat. D.h. sein Ansatz war aufklärerisch. Und Antisemiten waren sie damals alle.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat von "Grubendol"

    Luther ist schon deswegen cool, weil er die Bibel übersetzt hat. D.h. sein Ansatz war aufklärerisch.

    Seine Übersetzung aus dem 16. Jahrhundert mag die bekannteste aus dieser zeit sein; es gab jedoch schon vor dieser weitreichende Anstrengungen die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. (Wenzelsbibel [nicht vollendet] ) So konnte sich Luther bei seiner Übersetzung auf bereits vorhandene Manuskripte stützen.


    Zitat von "Grubendol"

    Und Antisemiten waren sie damals alle.

    Ja, wenn sie sich auch sonst spinnefeind waren (z.B. Luther vs. Eck): In Sachen Antisemitismus hätten sie sich kaum näher sein können.

  • Sollte es tatsächlich auf Denk­mal­schut­z versus Volksverhetzung hinauslaufen, wie schwierig kann da die Abwägung sein?

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat

    BGH-Urteil zu Schmähskulptur»Judensau« an Wittenberger Stadtkirche muss nicht entfernt werden

    Ein Relief an der Predigtkirche Martin Luthers in Sachsen-Anhalt darf bleiben. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Die »Wittenberger Sau« sei zwar beleidigend, doch die Gemeinde habe sich ausreichend distanziert.

    (...)

    Spiegel Online

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

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