Freunde! - Was sind Freundschaften wirklich wert?

    • Offizieller Beitrag

    Vor rund 45 Jahren waren wir in Neuenkirchen und Otterndorf ein toller Freundeskreis. Wir haben sehr, sehr viel zusammen erlebt. Jedes Wochenende Fete oder gemütliches Zusammensitzen. Wir haben viel zusammen telefoniert. Probleme konnte man gut miteinander besprechen.


    Ich leitete damals den Jugendkreis der evang. Kirchengemeinde in Neuenkirchen. Da ergaben sich auch viele Kontakte, auch Freundschaften.


    Damals hatte ich ein Gespräch mit meinem Vater. Der sagte mir, ich solle die Freundschaften nicht zu ernst nehmen, das würde sich im Laufe der Zeit alles verlaufen. "Nein!" sagte ich, "das ist bei uns anders. Wir werden auch in 20 oder 30 Jahren noch Freunde sein." "Du wirst erleben, dass es anders kommen wird", sagte mein Vater. Mein Vater hatte damals damit Recht!


    Nun sind einige der Freunde inzwischen verstorben. Lutz Engwicht, Marcel Fauvel, Udo Tietje, Gerhard Schäfer und Lui Andermann sind nicht mehr unter uns.


    Aber auch zu denen, die noch unter uns weilen, ist der Kontakt leider abgebrochen. Da ich das Haus aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verlassen kann, rufe ich hier und dort schon mal an, aber erlebe oft Desinteresse bis Ablehnung. Rückrufe finden gar nicht statt.


    An die Älteren unter uns: Welche Erfahrungen habt Ihr bezüglich von alten Freundschaften gemacht?

  • So bitter es klingt, ist es doch einigermaßen normal, wenn sich im Laufe der Jahre die Prioritäten zugunsten der Familie und der Alltagssorgen verschieben und frühere Gemeinsamkeiten kein Fundament mehr haben. Oftmals sind zeitlich und kräftemäßig keine Kapazitäten frei.

    Ich tue mich schwer damit, eine mitmenschliche Beziehung als Freundschaft zu bezeichnen, selbst wenn sie im Lauf der Zeit gewachsen, stabil und auch nach einer längeren Auszeit wieder abrufbar ist. Freundschaft im besten Sinne ist etwas sehr Seltenes und Kostbares. Ich maße mir nicht an, für irgendjemanden diesen Wert zu beanspruchen.

  • So bitter es klingt, ist es doch einigermaßen normal, wenn sich im Laufe der Jahre die Prioritäten zugunsten der Familie und der Alltagssorgen verschieben und frühere Gemeinsamkeiten kein Fundament mehr haben. Oftmals sind zeitlich und kräftemäßig keine Kapazitäten frei.


    Das mag schon sein, aber wenn man so viel miteinander erlebt hat, so viel miteinander geteilt hat, wäre es dann nicht angemessen, dass man noch ein Mindestmass an Kontakt miteinander teilt.


    Es gibt doch auch Klassentreffen, wo sich die Lebenswirklichkeit der ehemaligen Kameraden ja auch sehr weit auseinander entwickelt hat. Trotzdem trifft man sich dann doch meistens in gewissen zeitlichen Abständen, sei es alle 5 Jahre oder auch einmal pro Jahr, sofern die Gesundheit das zulässt und man nicht gerade in Canada oder in Neuseeland lebt.


    Ich tue mich schwer damit, eine mitmenschliche Beziehung als Freundschaft zu bezeichnen, selbst wenn sie im Lauf der Zeit gewachsen, stabil und auch nach einer längeren Auszeit wieder abrufbar ist. Freundschaft im besten Sinne ist etwas sehr Seltenes und Kostbares. Ich maße mir nicht an, für irgendjemanden diesen Wert zu beanspruchen.


    Damit könntest Du Recht haben. Sicherlich ist es auch die große Begeisterungsfähigkeit, die in den meisten Menschen in jungen Jahren inne wohnt und einen so von völlig falschen Gegebenheiten ausgehen lässt.

  • Dann kann man nur sagen: Es erneut versuchen. Vielleicht kam der Anruf zur Unzeit, als gerade diverse Alltagspobleme aufeinandertrafen oder die Hütte brannte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass überhaupt kein Interesse an einem lieben Kumpel von früher besteht. Wenn es irgendwelche Missverständnisse gab, lassen die sich bestimmt ausräumen.

  • Ja, Maggie, aber soll man denn wirklich richtig um Zuwendung betteln? Wenn man 5 Jahre lang bei einigen Leuten 2 - 3 mal pro Jahr anruft, immer wieder Grußkarten zum Geburtstag und zu Weihnachten versendet, und nicht einmal eine Reaktion erhält, wo die andere Person von sich aus Kontakt aufnimmt, dann muss man wohl irgendwann realisieren, dass es der anderen Seite nicht wichtig genug ist und dass 10 Minuten oder 95 Cent einfach zu viel Aufwand sind. Dann kann man es aber auch wirklich sein lassen.


    Und irgendwann fällt mir dann auch wirklich mal das biblische Bild von den Perlen, die man nicht vor die Säue werfen soll, ein. Auch, wenn das natürlich in einem ganz anderen Zusammenhang gebraucht wurde.

  • #8 Unerwartete Nachrichten, die Freude machen
    Eine aktuelle Studie der Universität Pittsburgh belegt, dass es Menschen wertschätzen, wenn alte Freunde sie unerwartet, nach langer Zeit und ohne besondere…
    www.pro-medienmagazin.de


    Schön, was Sabine Langenbach da berichtet! :thumbup:


    Ein ganz ähnliches Erlebnis hatte ich am vergangenen Freitag auch: Eine liebe gute Freundin aus Cuxhaven, die ich vor mehr als 20 Jahren bei einem meiner vielen Gitarrenkurse als Teilnehmererin kennen lernte und mit der ich über mehrere Jahre hin sehr viel erlebt hatte, rief mich nach längerer Sendepause an meinem Geburtstag an! Da habe ich mich sehr drüber gefreut!


  • Günter, aber zeigt das nicht, dass ihr eben doch nicht so ein toller Freundeskreis wart? Ich meine, wenn die sich gar nicht mehr wieder melden nach deinen mehrmaligen Anrufen ist das doch schwach, nach all den Jahren! Ich habe aus unseren Gesprächen nicht den Eindruck, dass du so ein Nervkopp bist, mit dem man nichts mehr zu tun haben will. Ich hatte nie so eine Clique, aber mit zwei Frauen habe ich noch immer einen guten Kontakt, noch nach vielen Jahren. Nun bin ich aber, sorry, auch noch nicht so alt wie du.

  • War gestern noch bei Micky, den ich mindestens einmal pro Woche aufsuche, zum Backgammonspielen. Er ist zwar nicht geimpft und ein furchtbarer Querdenker, aber wir reden nicht mehr über Politik. Das haben wir vor Corona auch nicht, deswegen macht das keinen Sinn. Wir kennen uns seit 1973.


    Morgen Abend kommt wie jeden Dienstag Wolfgang und wir schauen Serien, seit mehr als zwanzig Jahren. Wir kennen uns seit 1980.


    Sabine aus der Uni Bibliothek hat mich vorletzte Woche überraschend besucht, zu ersten Mal sein Corona. Wir hatten uns nach dem Colosseum-Konzert getroffen. Wir kennen uns auch seit ungefähr 1980, waren früher oft zusammen in der Sauna und unsere Töchter waren befreundet, als sie noch klein waren. Als Micky eine Wohnung suchte und Sabine einen Nachmieter, habe ich seinerzeit die Verbindung hergestellt. Das ist aber auch schon wieder mehr als zehn Jahre her, aber Micky wohnt da immer noch.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Meine Freundin meinte, Corona zerstöre keine Freundschaft, nur weil man als Hochrisiko sich nicht persönlich trifft. Wir chatten, tauschen Gebetsanliegen aus, nehmen Anteil am anderen. Auch das kann Freundschaft sein. Ab und zu trifft man sich beim Einkaufen.


    Ansonsten ist Conny kein Einzelfall, auch wir verloren wertvolle Kontakte. Eine Freundin ging ein Jahr auf Weltreise, plötzlich brach der Kontakt ab, eine andere schrieb, sie ließe sich scheiden, lebe nun an der Ostküste der USA und sie vergaß ihren neuen Absender, ich gehe davon aus, das war wirklich ein Versehen, der Kontakt war weg....Andere waren nicht gefestigt genug und keiner ging dem anderen nach. Könnte es bei Conny ähnlich gelaufen sein, man war in einer Clique, aber die Beziehungen waren nicht tief?

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