Kann ein Christ eigentlich ohne Gemeinschaft nach Gottes willen leben und Früchte bringen?

  • Mit welchen biblischen Texten wird diese Auffassung begründet?


    Natürlich ist die christliche Gemeinschaft in vielerlei Hinsicht von Vorteil. Und es gibt ja eine Menge Christen, die dies wahrhaft in Wort und Tat sind. Wo und wann immer es möglich ist, kann also Gemeinschaft gepflegt werden.


    Zitat von Heb. 10,24-25

    Lasst uns aufeinander achten und uns zu einem Leben voller Liebe und guter Taten anreizen! 25 Lasst uns nicht fernbleiben von unseren Zusammenkünften, wie es sich einige angewöhnt haben, sondern lasst uns einander ermutigen, und das umso mehr, da ihr wahrnehmen könnt, dass der Gottestag immer näher rückt.

  • Schade, dass Willem sich abgemeldet hat! Sein Thema ist sehr interessant und vielschichtig.


    Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde und er selbst sucht Gemeinschaft mit den Menschen. Also wird jeder gesunde Mensch sich nach einem Gegenüber sehnen.


    Jesus verhieß, dort zu sein, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Dennoch gibt es Christen, die ihren weg allein gehen müssen. Charles de Foucauld, der sich als reicher Jüngling bekehrte, sehnte sich danach, mit den jemandem zu den Tuareg zu gehen. Er betete viel um einen Partner und blieb allein in der Einöde als Christ. Kein Tuareg bekehrte sich. Nachdem ihn einer erschossen hatte, gaben viele ihr Leben Jesus, Gemeinde entstand.


    Der belgische Priester Damian de Veuster ging allein auf die Aussätzigeninsel Molukkai, um den Leprakranken von Jesus zu berichten. Einmal im Jahr kam ein Schiff, brachte Waren und er konnte mit Menschen austauschen, evtl. beten. Dann erwischte ihn die Lepra und er blieb bei den Kranken. Führte er jemanden zu Jesus, bevor er starb und hatte damit christliche Gemeinschaft)?


    Der Apostel Thomas soll allein nach Indien gezogen sein, um zu evangelisieren. Ein paar Hundert Jahre später soll es dort Christen gegeben haben. In welchen Büchern ich das in Mainz während meines Theologiestudiums las, weiß ich nicht mehr.


    Im Südsudan wurden vor 2 Jahren Gläubige gesucht, die sich auf den Weg durch den Dschungel machten zu Stämmen, die noch nie das Evangelium gehört hatten. Ziel war, dass sie dort lebten als Christ und so die Liebe Jesu verkündeten.


    Ein befreundetes Ehepaar ging 1998 allein in Kambodscha zu einem Stamm im Dschungel. Es gab keine Straße, sie kämpften sich nach der Regenzeit durch Schlammlöcher. Zu zweit ließen sie sich dort nieder, ganz primitiv. Diethelm erzählte, wenn er hinter Brettern seine Notdurft verrichtete, standen Scharen von Kindern davor und hofften, einen weißen Po zu sehen. Sie lernten die Sprache und begannen über Jesus zu erzählen. Diethelm machte viele Lautaufnahmen und entwickelte ein Alphabet für die Bunong, Mimi konnte irgendwann eine Gemeinde starten und sie waren nicht mehr allein. Heute gibt es eine Straße durch den Dschungel .. Alles begann mit 2 Gläubigen.

  • Bekanntschaft mit Jesus schloss ich vor ziemlich genau 45 Jahren. Was dann folgte, war zeit- und abschnittsweise ein wilder Ritt auf und durch Theorien und Lehren, Erfahrungen, Beeinflussungsversuchen und Lügenmärchen. Oft sagte man mir, ich müsse nur auf den Bruder und jenen Prediger hören, er würde für Jesus brennen. Naja - ich beging den Fehler und folgte solchen Empfehlungen und lief dabei, wie einer der sich im Dornbusch verlaufen hat, mal hierhin, bis ich mich verhakte, dann mal dahin und dann wieder dorthin. Was mir so viele erzählt, ja vorgeschwärmt hatten, fand ich nicht - Frieden. Ich suchte und fand Arbeit in einem Missionswerk, weil man mir gesagt hatte, das wären so ziemlich die höchsten Weihen eines Christenmenschen - für Jesus zu arbeiten.


    Inzwischen war ich verheiratet, wir hatten Kinder, doch der Friede floh mich / uns weiterhin. Das ganze gipfelte schließlich in unserem Austritt aus der Gemeinde, der wir viele Jahre angehört hatten.


    Eine Weile pausierten wir erst einmal von allem. Nicht, dass das Thema "Glauben" bei uns ausgeschlossen worden wäre. Im Gegenteil - wir suchten untereinander nur noch intensiver das Gespräch, lasen in der Bibel usw. Aber die Abwesenheit von Predigern, wohlwollenden Geschwistern und den zugehörigen Ritualen ließ uns erst einmal aufatmen.


    Irgendwann in dieser Zeit geriet ich ans Internet und die ersten Foren, bis mich schließlich eines dieser Foren ganz für sich in Anspruch nahm. Dort tat ich gute sieben Jahre einen Dienst und kann im Nachhinein nur betonen, dass diese Zeit für mich ungeheuer segensreich verlief. Ich musste mich ganz anders, als bisher, mit Gottes Wort auseinandersetzen, mich mit anderen Auffassungen und Ansichten und Erfahrungen befassen - und ich lernte dabei viel.


    Während dieser Arbeit ließ ich mich auch mit anderen Foren ein - u.a. auch diesem hier - und sammelte eine Menge an Erfahrungen im Umgang mit Menschen. Sicher habe ich manchen Bock geschossen, habe andere Menschen im Übereifer verletzt, ich wurde verletzt, lernte zu vergeben und mir vergeben zu lassen.


    Und nach und nach suchte ich wieder Kontakte in der Wirklichkeit. Das führte gut 20 Jahre nach unserem Gemeindeaustritt dazu, dass wir uns eine neue Gemeinde suchten. Inzwischen sind unsere Kinder erwachsen, wir haben Enkel, einige direkt im Haus neben uns und gerieten allmählich in eine missionarische Position, ohne, dass wir dergleichen beabsichtigt hatten. Es geschah - hier, in der Nachbarschaft unserer Straße, aber auch international mit Menschen, die wir auf unseren Reisen in die weite Welt kennenlernten. Unsere Kinder gehören zu Jesus, die Schwiegerkinder bis auf einen ebenfalls.


    Eines kann ich voll Freude bezeugen: Es gibt wenig Schöneres, als auf einem Familientreffen hemmungslos und freimütig über den Glauben reden zu können - wobei der bei solchen Treffen nicht zwangsläufig das Hauptthema ist.


    Um den Eröffnungsbeitrag hier aufzugreifen: Ja, es kann schon mal sein, dass man in der gemeindlichen "Halbwüste" gedeihen kann. Allerdings würde ich niemandem einen Selbstversuch empfehlen. Auch wenn es mich / uns weiter gebracht hat, es war eine sehr anstrengende Zeit. Missen möchte ich sie allerdings nicht.


    Damals, nachdem Jesus und ich einander begegnet waren, hatte ich einen Fehler begangen. Anstatt selbst anzufangen, die Bibel zu lesen, verließ ich mich, weil das aufdrängend angeboten wurde, auf Auslegungen und Lehren und Meinungen Anderer. Dabei übersah ich, dass es für Jesus kein Problem ist / gewesen wäre, mir mittels seinem Tröster die Bibel ohne lange Umwege aufzuschließen.


    Aber - wer weiß, wozu es gut war?

  • Hermann,


    danke für dein Zeugnis. Ich freue mich, dass ihr euren Weg mit Jesus gefunden habt. Auch wir machten irgendwann den Fehler, auf Lehren von Geschwistern zu hören und die Freude am Christsein ging weg. Das führte dazu, dass ich sofort einen großen Bogen machte, wenn ich das Wort " Baptist" hörte. Es ist schön zu hören, dass es nicht nur uns so ging.

    Darf man fragen, welcher Gemeinde ihr euch angeschlossen habt? Uns überzeugte keine Freikirche, wir sahen Einzelne Nachfolger, ansonsten Religiösität und Gesetz. Wir sind seit 9 Jahren mit Hausgemeinde beschäftigt und schlossen uns Hoffnung für Deutschland an im Herbst, nachdem Nachfolger Jesu sich geschlossen auf Seite der Impfverweigerer stellte. Meinen Online Gebetskreis nahm ich von dort mit und dort finden wir Kraft. Gemeinschaft ist wichtig, und wir sind froh, ein neues Netzwerk gefunden zu haben.

  • Darf man fragen, welcher Gemeinde ihr euch angeschlossen habt?

    Ja, darf man. :) Es ist eine recht kleine Gemeinde, gegründet vor ca. 12 Jahren von einem amerikanischen Missionspastor. Zuerst war unsere Tochter dort, dann besuchte uns Fred, der Pastor, und dann haben meine Frau und ich uns entschlossen, die dortige Gemeinschaft zu besuchen. Man merkt den Unterschied zu vielen anderen Gemeinden, die wir hin uns wieder besucht haben, u.a. auch daran, dass die Gde. beispielsweise reihum für eine Familie kocht, welche gerade durch ein weiteres Kind in Bedrängnis geraten ist, der Mutter geht es nicht gut.

  • Bekanntlich gibt es die Auffassung, dass ein Christ auch ohne Gemeinschaft nach Gottes Willen leben und Früchte bringen kann. Wie seht Ihr das?

    Ich finde, dass es darauf ankommt, was man unter Gemeinschaft versteht.


    Eine christliche Gemeinde, bei der Jesus Christus Verhaltens- und Vergebungslehren zuwenig oder gar nicht gewichtet wird, wäre diesbezüglich keine förderliche Gemeinschaft.


    Sicher kann und soll man ja auch ausserhalb von christlichen Gemeinden in jenen guten Werken wandeln, die Gott uns ja laut Epheser 2.10 vorbereitet hat.So entsteht ja dann auch Gemeinschaft.

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