Missbrauchsgutachten belastet Benedikt XVI. - 20. Januar 2022

  • Ein Grund könnte chronischer Priestermangel sein. Ein sehr guter glaubwürdiger Freund, zu der Zeit noch Franziskanerpater war, kam 1974 direkt nach einem Gespräch mit Bischof Heinrich Maria Jansen aus Hildesheim zu mir, weil er sich aussprechen musste. Der Bischof soll geäußert haben, er brauche die Priester, könne nicht auf sie verzichten und würde sexuelle Verfehlungen deshalb decken. Er soll Vorschläge gemacht haben, wie man Sachen vertuschen kann. Mir ist ausführlich bekannt, worum es konkret damals ging. Erst vor ein paar Jahren ging durch die hiesige Presse ( PAZ), dass Bischof Heinrich Maria sich an Jungen vergangen haben soll. Erst nach dessen Tod fand jemand den Mut, das öffentlich zu machen. Ein Grund fürs Vertuschen, was wohl nicht nur bei Ratzinger und Jansen so war, war auf jeden Fall der Priestermangel und zu geringe Nachwuchs.


    Ich verließ schweren Herzens diese Kirche, in der ich viel Gutes erlebte, weil ich zu viel Belastendes wusste, was auf dem Gebiet nicht in Ordnung war. Für uns war das ein sehr schwerer Schritt in den 80-gern. Wir ließen gute Freunde zurück.

  • Zitat

    Der Bischof soll geäußert haben, er brauche die Priester, könne nicht auf sie verzichten und würde sexuelle Verfehlungen deshalb decken. Er soll Vorschläge gemacht haben, wie man Sachen vertuschen kann. Mir ist ausführlich bekannt, worum es konkret damals ging.

    Der preis ist eindeutig zu hoch. Für was will man denn noch Priester sein, wenn man sich mit sexualisierter Gewalt besudelt hat?

    • Offizieller Beitrag

    Tja, so kann man sich täuschen:


    Rückblick:

    Ich kannte einen evang. Pastor, der mir voll Freude erzählte, dass er Ratzinger mit anderen Amtskollegen jedes Jahr einmal persönlich traf und fast alle von ihnen sehr beeindruckt von diesem Erzkardinal waren. Dann wurde Ratzinger Papst und dieser Pastor sagte uns, dass er viel Gutes von ihm erwarten würde. Naja, so kann man sich täuschen.


    Am 24. April 2005 jubelte der Comedian Olli Dittrich als "Dittsche" "WIR SIND PAPST!", zitierte dabei jubelnd aus der aktuellen Bild-Zeitung und sprach von einer "Ballung der schönen Sachen". Ja, man kann sagen, dass viele in unserem Land damals sehr stolz waren: Ein deutscher Papst!


    Jetzt das! So kann man sich täuschen ...

  • Ich freute mich auch, als Ratzinger Papst wurde. Das Dilemma ist, dass diese Leute, die auf sexuellem Gebiet versagten, wirklich viel Gutes taten. Das ist in jeder Kirche so. Meine Schüler schwärmten von einem lutherischen Pfarrer und seiner Teeniearbeit. Die Landeskirche entfernte ihn wegen sexueller Verfehlungen und er hinterließ eine große Lücke. Ratzinger war ein fähiger Theologe, ich las Bücher von ihm. Er arbeitete auch gut als Papst.


    Die Tagespresse füllt heute Seiten mit den Verfehlungen der katholischen Kirche. Unerwähnt bleibt, dass es auch Aufrichtige gab wie Pfarrer Peter Paul Urbanczyk in Braunschweig. Im Sommer 1979 beobachtete ich erschrocken unseren besten Freund, erzählte es nur meinem Mann, weil ich es zunächst verkraften musste...Etwa 2 Wochen später erzählte mir Peter Paul, welch ein Skandal es wäre, unser Freund und die 13-Jährige, das wäre so heftig, er dulde das nicht. Woher er von der Liebelei wusste, erfuhr ich nie, ich sagte ihm auch nichts darauf, stellte aber fest, dass etwas unternommen wurde: Der beliebte Pastor bekam kurz darauf Anweisung vom Bischof, innerhalb von 2 Wochen die Gemeinde zu verlassen und wurde in eine andere an der Zonengrenze versetzt, weitab. Er wollte keinen Kontakt zu seiner früheren Gemeinde und ich hörte von Freunden nach Jahren, wie verletzt dort manche waren, weil er ohne Abschied von einem Tag auf den anderen verschwand. Wir besuchten uns ab und zu, erfuhren, wie traurig er war, seine gute Jugendarbeit verlassen zu müssen. Er hatte eine schwere Zeit in der neuen Gemeinde. wir waren jung und sprachen ihn nie auf die 13- Jährige an. Ich ging davon aus, dass der aufrichtige Peter Paul sie auseinander brachte. Dieser Pfarrer war uns ein echter Freund, der zu uns hielt, viel Gutes tat, auf einem Gebiet versagte. Ob es einmalig war, kann ich nicht beurteilen. Er blieb unser Freund, auch als wir die katholische Kirche verließen, sagte, er habe es immer gewusst, dass wir eines Tage gehen.

    Nicht alle vertuschten also die Skandale und das bleibt unerwähnt in der Presse.

  • Hermann,


    du hast Recht. Gerade sprach ich mit einer ehemaligen Mitarbeiterin in der katholischen Kirche. Auch ihr waren schon seit Jahren Dinge bekannt. Es ist wirklich die Frage, wie man reagieren sollte auf Missstände vor 40 Jahren Als Primaner erzählte meine Freundin: " Pastor L. mit der Rothaarigen...." Niemand sagte etwas dazu. Viele in meinem Bekanntenkreis sprachen von der "Privatsekretärin von Kaplan H." Man sah die beiden in der Öffentlichkeit, umarmt, knutschend. Kein Teenie unternahm etwas. Schwester W. bekam einen dicken Bauch, verschwand von einem Tag auf den anderen. Es ging rum, sie habe im Rheinland Zwillinge geboren. Solche Sachen standen an der Tagesordnung, keiner regte sich auf, man lebte damit, wenn man treu katholisch war.

    Als ein befreundeter Gemeindereferent Frau und Kind verließ, musste er in den Innendienst am Domhof, durfte nicht mehr als Seelsorger arbeiten. Meine sehr verletzte Freundin bekam seine Stelle. Jahrelang beobachtete ich vorher unbiblische Eheseelsorge durch einen befreundeten Priester bei ihm. Sein Beichtvater verteidigte mir gegenüber, dass er Frau und Kind allein ließ, sie sei so kühl. Sie erzählte mir, sie habe täglich gebetet, dass sie eine gute Ehefrau sein wollte. Hat mein Freund P. diese Ehe bewusst in der Seelsorge zerstört, weil er nicht heiraten durfte als Pfarrer? Ich sprach nie über solche Vermutungen.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!