Das Band des Grauens

  • Zitat

    Die Autobahn: Das Band des Grauens

    (...)

    "Zu behaupten, Autobahnen wären schön, hat etwas Provokatives, und das wird immer gern genommen. Oft geht es dabei leider wirklich nur um diesen Effekt, und statt einen neuen Blick auf sie zu erproben, fassen jene, die dieser Schönheit das Wort reden, sie bloß in einem konventionellen Sinn auf. Heißt: Sie erliegen der Faszination des Gesamtkunstwerks Autobahn, das tatsächlich die Nazis erfunden haben: „Das graue Band“ war ihre Lieblingsbezeichnung für die Schose."

    (...)

    TAZ

    Um Douglas Adams zu paraphrasieren, der das mal über Flughäfen gesagt hat:


    "Es kann kein Zufall sein, dass es in keiner Sprache der Welt die Redewendung "schön wie eine Autobahn" gibt. Autobahnen sind hässlich. Manche erreichen ein Ausmaß an Hässlichkeit, das nur das Resultat besonderer Kraftanstrengungen sein kann." - "Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele" (1988)

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Ich verstehe nicht, warum immer wieder die Nazis mit der "Erfindung" oder dem "Grundgedanken" der Autobahnen in Verbindung gebracht werden. Das ist eine plumpe Geschichtsfälschung.


    Korrekt ist, dass Autobahnen und ihre Vorgänger konzeptionell eine Idee des Militärs sind, um Truppen und Kriegsgerät möglichst schnell und direkt von A nach B zu bringen. Diesen Gedanken gab es schon im 18. Jahrhundert unter Napoleon, der das Straßen und Wegenetz militärisch ausbaute, so weit ihm das möglich und dienlich war.


    Bei Autobahnen geht es auch weniger um die Optik, als vielmehr um die Funktionalität. Und an diese Funktionalität hat sich die Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft angepasst. Kaum einer fährt im Urlaub über Landstraßen, wenn er längere Strecken zu bewältigen hat. Man hört dann im Verkehrsfunk stets von den Autobahnen, die dicht sind.


    Ob schön oder hässlich spielt also keine Rolle: Die heutige sog. "Zivilisation" braucht eine gut ausgebaute Infrastruktur; die Autobahnen sind ein entscheidender Faktor dabei.

  • "Band des Grauens" das dachte ich vorhin, als ich die Zeitung las: BAB 2 wird am 30.6. für 4 Tage ab Hannover Ostkreuz bis Peine gesperrt, die meist befahrene Autobahn für alle aus Osten und von Westen kommend. Eine extrem weit läufige Umleitung über die A 7 bis Kreuz Salzgitter wird empfohlen, dann in BS wieder drauf. In Peine werden wir endlich keine Staus haben, aber auf die Landstraßen hier wage ich mich dann nicht....Wer fährt schon einen riesigen Umweg. Die Luft wird dann besonders gut sein bei den Blechlawinen.

  • Es ist die Bevorzugung des Individualverkehrs anstelle öffentlicher Verkehrsmittel, die falsch ist und wie wir jetzt sehen, immer falsch war.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Ja, nur leider kommt diese Erkenntnis schlappe 150 Jahre zu spät...

    Den Leuten waren die längerfristigen Auswirkungen einfach nicht bewusst. Wie auch, wir haben ja auch erst eine hinreichende Datenlage seit vielleicht 1972/73. Und der gesunde Menschenverstand hat nun einmal in den fünfzig Jahren nicht gereicht, die Weichen umzustellen, damit der Zug nicht in den Abgrund rast, was er jetzt gerade tut.


    Deswegen kleben sich junge Leute auf der Straße fest, ganz egal, was man von derlei Aktionen hält - ich halte sie für weniger hilfreich, aber respektiere sie, denn ich bin alt und es ist ihre Welt.

    "Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
    Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

  • Zitat von Grubendol

    Den Leuten waren die längerfristigen Auswirkungen einfach nicht bewusst. Wie auch, wir haben ja auch erst eine hinreichende Datenlage seit vielleicht 1972/73. Und der gesunde Menschenverstand hat nun einmal in den fünfzig Jahren nicht gereicht, die Weichen umzustellen, damit der Zug nicht in den Abgrund rast, was er jetzt gerade tut.

    Das stimmt leider. Und wir können die Zeit nicht zurückdrehen, um zu sehen, was mit der Gewissheit um die aktuelle Problematik vor 150 Jahren womöglich anders hätte entschieden werden können.


    Aber vor dieser Problematik stehen die Politiker ja auch heute. In den 50er und 60er Jahren des letzten Jhd. wurde die Atomenergie politisch total gehypt. Energiekonzerne wurden unter Druck gesetzt, AKWs zu bauen... Und heute? Das sind auch 50, 60 Jahre.


    Und ich befürchte, dass wir aus der Geschichte doch nichts lernen und uns auch mit den Spätfolgen der sog. erneuerbaren Energien in 50- 60 Jahren herumschlagen werden. Ich vielleicht nicht mehr - wohl aber die heutige Jugend.


    Zitat von Grubendol

    Deswegen kleben sich junge Leute auf der Straße fest, ganz egal, was man von derlei Aktionen hält - ich halte sie für weniger hilfreich, aber respektiere sie, denn ich bin alt und es ist ihre Welt.

    Ich respektiere das, wenn es nicht bei einem solchen bloßen Aktionismus bleibt, sondern wenn die jungen Leute ihr Leben tatsächlich, gemäß den Umständen und ihren persönlichen Möglichkeiten, anders organisieren. Es mag da sicherlich für Großstädter einfacher sein, auf das eigene Auto zu verzichten, als das für die Jugend in ländlichen Gegenden der Fall ist.


    Will sagen: Mit solchen Aktionen allein, ist es nicht getan. Das erzeugt vielleicht Aufmerksamkeit und ziemlich sicherlich auch Verärgerung - aber für ein konkretes Umdenken in der Politik ist mehr und vor allem nachhaltiger Druck erforderlich.

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